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| Dresdner Neueste Nachrichten, 24.11.2009 |
Festes Schuhwerk erwünscht
Sächsischer Bergsteigerchor präsentierte Jahreskonzert
Von Hartmut Schütz
Zum Gruppenbild posieren Chöre gern auf Schlosstreppen, Kirchentreppen oder Treppen an Brücken. Der Sächsische Bergsteigerchor „Kurt Schlosser“ Dresden e.V., so der Name in voller Länge, steht auf grünem Hang vor imposanter Felskulisse in der Sächsischen Schweiz: Kniebundhosen, Wanderschuhe. Sie tun ganz offensichtlich nicht nur naturverbunden, sie sind es, ihre Sangesfreude ist echt und Ausdruck tiefen Gemeinschaftssinnes. Der Kulturpalast war zum Jahreskonzert mit der Überschrift „Bergsteigerfreuden“ voll besetzt, die gut 100 Sänger auf den hohen Podesten in eben der zünftigen Kleidung. An ihrer Seite die fünfköpfige Instrumentalgruppe, geleitet von Uwe Fink, die Leitung des Chores teilten sich Chefdirigent Axel Langmann und sein Kollege Gernot Jerxsen.
Lieder übers Bergsteigen standen natürlich im Zentrum des zweigeteilten Programms, das MDR-Sprecherin Beate Werner charmant moderierte. Dass die Bergsteigerwelt eine Männerwelt ist, zeigte sich nicht nur am Ensemble: Die Probleme beim Unterscheiden von Fern und Bierglas im Bergsteigerwitz oder kernig gereimte Gipfelbucheinträge, die sie herausgesucht hatte, kommentierte Beate Werner mit feiner Ironie. Aber auch Geschichtliches aus der felsigen Welt oberhalb Dresdens ergänzte die Musik, so etwa der Bericht über den Ausflug Hans Christian Andersen in die Sächsische Schweiz.
Im Saal trägt man feines Sakko oder Pullover, auch Outdoor-Kleidung ist passend, denn für Berg- und Wanderfreunde ist einzig die gemeinsame Lust am Gipfel wichtig. Unter den traditionellen Bergvorhängen, eingerahmt von Blumen und Fichten, grüßten die Sänger in zuerst grünen, dann roten Socken ihre Fans mit schmetternden Bergsteiger- und anderen Freuden des Lebens. Ob neu arrangierte Weisen wie „Im Frühtau zu Berge“ oder schöne Naturbeschreibungen wie „Herbst in den Bergen“ – viele Zuschauer sangen mit, lange bevor im zweiten Teil ein Mitsinge-Medley den ganzen Saal als Chor einte. Trotz Spaß bot das aktuelle Programm mehr besinnlichere Töne als sonst. Moderatorin und MDR- Publikumsliebling Beate Werner fand dazu die richtigen Worte. Sie erzählte Anekdoten von den Entdeckern der Sächsischen Schweiz und Skurrilitäten wie einstige Sänften-Wanderungen durch die Berge. Sie erinnerte aber auch daran, dass die Steige im Sandstein nicht immer nur zur Erbauung dienten. Ein Datum steht dafür: Chorgründer und Antifaschist Kurt Schlosser wurde vor 65 Jahren in Dresden enthauptet. Die Sänger stimmten passend einen respektablen Gefangenenchor aus der Oper „Fidelio“ an. Auch andere Lieder wie „Traum vom Frieden“ und John Lennons „Imagine“ wirkten in Botschaft und Vortrag nach. Die Instrumentalgruppe des Chores war dabei erneut ein besonderer Trumpf.
Man mag sich täuschen, aber der Chor war besser denn je: homogener und sicherer der Satzgesang, ausgeglichener die Stimmlagen. Selbst heikle mehrstimmige Kanons überzeugten. Wie fantastisch müsste diese Chorkraft erst in einem Kulturpalast mit Spitzenakustik klingen? Doch vorerst laden auch die Schlossers weiter in den zugigen und dämpfenden Saal – am 21. November 2010 ist ihr nächstes Jahreskonzert. Und die Ovationen zeigten: Ihr Publikum wird da sein.
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Dresdner Neueste Nachrichten vom 24.11.2009 |
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