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| Dresdner Neueste Nachrichten, 24.07.2006 |
Singen heißt verstehen:
Chöre aus Columbus zu Gast
Von Hans Peter Altmann
Zur 800-Jahr-Feier kamen Gäste aus Dresdens Partnerstadt. Ihr Motto "Singen heißt verstehen" führte sie mit dem Bergsteigerchor "Kurt Schlosser", dem Polizeichor Dresden und dem Polizeiorchester Sachsen zusammen: eine stattliche Zahl an Mitwirkenden, die zur brütend heißen Nachmittagsstunde in den angenehm temperierten Kulturpalast geladen hatte.
Unter der kundigen Leitung von Siegfried Fischer bot der Polizeichor vorwiegend Heiteres in teils raffinierten Arrangements. Es war nicht die Stunde der großen, seriösen Chorkultur, sondern es galt, die längst erworbenen, vielfach dargebotenen Qualitäten in den Dienst des musikalischen Spaßes zu stellen. Zu nennen sind hier die Chorvariationen über Schuberts "Forelle", die Wanderliederfolge (arrangiert von Manfred Grafe), die allerdings das Schicksal so manchen "Medleys" teilte: abrupt-überraschende Überleitungen. Wer hätte zu widersprechen gewagt, als es von der ausgewogen musizierenden Chorgruppe der Bergsteiger hieß, man wolle "für ein kühles Bier rund um den Äquator laufen". Eine "Krimiparade" erklang vor der Pause, unter parodistischer Einbeziehung bekannter Titel aus der Film- und Unterhaltungswelt. Einer Reihe von Chören war das Polizeiorchester Sachsen schwungvoller Partner. Eigene Beiträge unter Leitung Thomas Kellers bewiesen den Rang des Orchesters, nur an einer Stelle ("El Camino Real") entschieden zu lang.
Als sich der Vorhang nach der Pause öffnete, hatten die amerikanischen Gäste Aufstellung genommen: Columbus Männerchor & Chor der Germania Columbus unter Leitung von Trish Gardner und einer weiteren Dame. Beide Chöre wurden von deutschen Einwanderern im 19. Jahrhundert gegründet und pflegen bis heute auch das Liedgut der alten Heimat. Sie an hiesiger Chorkultur (ausgerechnet in der Hochburg Dresden) zu messen, geht nicht. Die Bedingungen sind zu unterschiedlich. Die etwa 60 Damen und Herren reiferen Alters sangen Mozart und Mendelssohn Bartholdy in deutscher Sprache, boten mit den Beiträgen aus der neuen Welt ziemlich Unverbindliches. Dominierend war ihr gelungener Brückenschlag, der sich am Ende des Programms im gemeinsam gesungenen "Wahre Freundschaft" nahezu ergreifend darstellte.
Unter Axel Langmann, dem Vorgänger Werner Matschke und unter Gernot Jerxsen bot der Bergsteigerchor in imponierender Besetzung diszipliniert und mit großem Engagement dargebotene Chöre. Längst hat Langmann seinen Weg an der Spitze des Ensembles gefunden - anknüpfend, ausweitend. Dass man Matschke nach wie vor in die Konzerte einbezieht, halte ich für eine großartige Geste. Des Chores Domäne sind die Berglieder, mit denen die 120 Sänger ihr Eigenes vortragen. Das weiß man und wird gewisse Ähnlichkeiten (inhaltlich, im Kompositorischen und beim Vortrag) in Kauf nehmen. Der Chor hat sein Publikum, welches dies erwartet und ihm begeistert zustimmt. Somit hat er seine Funktion, fernab von Musikantenscheunen und -stadln. Für Entscheidend ist die erkennbare Identifikation der Sänger und die von den Chorleitern erzielte hohe Vortragskultur, die auch Webers "Jägerchor" zugute kam. Das russische Abendlied (Wetscherni swon) sollte man freilich den dortigen Chören überlassen. Diese Bearbeitung kann ich heutzutage nicht mehr akzeptieren.
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