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Dresdner Neueste Nachrichten, 23.11.2004

"In Sonnennähe will ich stehn ..."

Jahreskonzert des Dresdner Bergsteigerchores

Von Hans Peter Altmann

Die alljährlich im November angesetzten Konzerte des Sächsischen Bergsteigerchores "Kurt Schlosser" Dresden sind eine feste Größe geworden. Wenn der Kulturpalast zweimal ausverkauft ist, dann zeigt sich darin die Anziehungskraft der etwa 120 Sänger. Worin besteht diese eigentlich? Zunächst - man kennt sich von gemeinsamem Wandern und Bergsteigen, Erinnerungen werden wach. Das vorwiegend ältere Publikum fühlt sich von den Liedern (nach Chefdirigent Langmann "großes Hauptanliegen") angesprochen. Dies sind traditionelle Berglieder, von Generation zu Generation übertragen.

Ein Teil dieser Lieder wurzelt im Männergesang des 19. Jahrhunderts. In dieser Art gibt es für heutige Begriffe Anfechtbares ("Wenn die Sonne erwacht in den Bergen") im Gegensatz zum Schritt in neue Klänge (Uraufführung "Auf den Weg" von Axel Langmann, der auch für eine stattliche Reihe von Bearbeitungen verantwortlich ist). Es zeigt sich immer mehr, dass die Verpflichtung Langmanns ein bedeutender Gewinn für den Chor ist. Er schöpft aus dem, was Vorgänger Werner Matschke ihm übergeben konnte und hat Gernot Jerxsen an seine Seite gezogen. Alle drei traten als Dirigenten in Erscheinung, Langmann dabei mit kluger Disposition, mit zweckdienlicher Steuerung des imposanten Ensembles. Dieses wiederum überzeugt mit klanglichen, sprachlichen und gestalterischen Qualitäten, die auch dem Griff in die Klassik zugute kommen (Beethoven, Mozart, Weber). Die stimmliche Homogenität des Chores gibt zu Freude Anlass. "Herunterschleifen" einiger Intervalle sind Männerchor-Untugenden, die mühelos abzustellen sein sollten.

Namen wie Langmann und Matschke, weiter Kurt Kämpfe, Heinz Kunert, Rainer Lischka verweisen neben den Textdichtern Gottfried Herold und Max Zimmering auf den Dresden-Bezug und den auf unsere Zeit. Ein Höhepunkt waren die Worte, die Reinhold Stövesand im Gedenken an Kurt Schlosser (60. Wiederkehr des Tages seiner Hinrichtung) und an die heute leider wieder notwendigen Schlussfolgerungen sprach: "Wehret den Anfängen!". Die Ergänzung mit Hanns Eislers "Anmut sparet nicht noch Mühe" mit dem großartigen Text von Brecht ging unter die Haut.

Stövesands Beitrag im zweiten Teil hatte zum Thema des Abends überhaupt keinen Bezug, bestand aus einer Reihe billiger Witzchen und schien mir deshalb absolut verzichtbar. Cornelia Nossek führte in ihrer charmant-freundlichen Art durch das Programm, verabschiedete sich von der 25-jährigen Tätigkeit und wurde zum Ehrenmitglied des Chores ernannt. Ehrungen gab es auch für jahrzehntelange Mitgliedschaft zweier verdienstvoller Mitglieder.

Der Chor hat mittels seiner Besetzung und seiner musikalischen Qualität eine große Ausstrahlung. Eben deshalb sei vor einer Übertreibung der "einstudierten Lockerheit" der Bewegungen gewarnt. Die Instrumentalgruppe unter Uwe Fink war den Sängern zuverlässiger Partner.

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Letzte Änderung:
28.09.2006
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