 |
Navigation
|
|
|
 |
| Dresdner Neueste Nachrichten, 25.11.2003 |
Aktivposten Gemeinsamkeit
Bergsteigerchor gab Jahreskonzert im Kulturpalast
Von Hans Peter Altmann
Die Jahreskonzerte des Dresdner Bergsteigerchores haben zwiefache Bedeutung, eine musikalische und eine soziale. Letztere wird deutlich, wenn man das Publikum im ausverkauften Kulturpalast betrachtet. In der Sonntags-Matinee dominierte das "Mittelalter", dem getrost noch einige Jährchen hinzuzufügen wären. Und nun muss man sehen, wie freudig sich jene begegnen, denen fortgeschrittenes Alter die Berg- und Wanderschuhe ausgezogen hat, die sich aber bei solcher Gelegenheit gemeinsam erinnern und so manches freudige Ereignis wieder aufleben lassen. Dies ist ein Teil des Ereignisses.
Die charmante Moderatorin Cornelia Nossek stellte die Frage, was denn eigentlich ein Berglied sei. Die Wissenschaft habe noch keine Definition geliefert. Versuchen wir es: Der Text beschreibt Erstürmen der Gipfel, Wälder und Felder, Schönheiten der Heimat, Wandern in der Natur. Die Musik bedient sich solcher Mittel, die vom Laien nachvollziehbar sind, die Schwung und Freude vermitteln, die sich "im Volkston" bewegen. Da kommt es zu gewissen Stereotypen, die aber eben auch zu "Rennern" wurden, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Wenn diese Lieder eingebunden sind in eine Folge, die einfache Volkslieder, populäre Opernchöre, Lieder anderer Nationen enthält, dann ist Farbe garantiert, ohne dass man auf dem "Brückerl übers Bächerl" schreitet.
Chefdirigent Axel Langmann weiß um diese Dinge, greift in seinen Kompositionen und Sätzen auf die Tradition, auf die Konvention im guten Sinne zurück ("Wenn nach langer Nacht" und "Herbst in den Bergen" waren maßgeschneiderte Uraufführungen). Wenn Langmann und die "Ehemaligen" Werner Matschke und Karl Heinz Hanicke diszipliniert dirigieren, so produzieren sie bei den über 110 Sängern einen disziplinierten Gesang. Chrosolisten lockern auf, vor allem die ausgezeichnete Instrumentalgruppe unter Leitung von Uwe Fink. Der Chorklang ist gewaltig, niemals grob oder derb. Dynamisch bedient man ein weites Feld. Abwärts gerichtetes Glissando auf einer Silbe ist in den Hintergrund getreten, aber noch nicht restlos ausgemerzt. Vorsicht ist bei den einstudierten Bewegungsabläufen geboten.
Die Gemeinsamkeit der Lebenshaltung, das Neben- und Miteinander, verleihen dem einzelnen Sänger eine großartige Motivation, die sich im Gesang erkennbar niederschlägt. Das ist der beneidenswerte Aktivposten eines Chors, dessen Lieder das Innere der Interpreten spiegeln. An diese Position knüpften Matschke und Hanicke an. Dass Langmann ein würdiger "Fortsetzer" ist, kann als sicher gelten.
|
|