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Dresdner Neueste Nachrichten, 24.02.2003

Italienisch-deutsches Konzert

Von Hans Peter Altmann

Es gibt Chöre, die sich mit ihrem Repertoire bewusst einer speziellen Gattung der Chorliteratur zuwenden (Matrosen-, Handwerker-, Studenten- und eben auch Bergsteigerchöre). Dabei kann Eingrenzung leicht zur Einengung führen. Davon war beim ausgezeichnet besuchten Konzert des Trientiner Bergsteigerchores nichts zu spüren, da die 30 Sänger unter Leitung von Paolo Tasin ein weitgefächertes Programm boten. Wie zu hören war, steht dieser Chor an der Spitze der 70 (!) gleichartigen Vereinigungen, die es allein in der Region Trentino gibt. 1926 wurde das Ensemble gegründet und bemüht sich seitdem um die Pflege und Bewahrung des alpenländischen Liedgutes, aber darüber hinaus auch allgemein um das heimatliche Volkslied mit Liebes-, Natur- und Scherzliedern, Liedern der Studenten und historischen Balladen. Man hat sich sogar zur Aufgabe gemacht, in den verzweigten Tälern Lieder aufzuzeichnen, die sonst der Vergessenheit anheimfallen würden.

Der Chor verfügt über eine leichte und lockere Stimmführung. An das diesen italienischen Chören eigene andere Klangideal hat man sich schnell gewöhnt. Während die Art der Tonerzeugung über das Programm hin ziemlich einheitlich bleibt, bringen dynamische Feinheiten und umfangreiche Gestaltungsnuancen Farbe in die Darbietungen. Der Dirigent leitet mit sparsamsten Gesten, schöpft aus dem stimmlichen Reichtum seiner Sänger, setzt zahlreiche Chormitglieder als beachtlich aufwartende Solisten ein, darunter jenen, der schon 52 Jahre Chormitglied ist und immer noch über eine kräftige, ausstrahlende Stimme verfügt. Die italienische Moderatorin erläuterte jeweils den Inhalt der Lieder. Und das gehört heutzutage auch zur Kultur: Als sie nämlich an einem Lied das Schicksal der Alpini im 2. Weltkrieg verdeutlichte und mahnende Worte über die Sinnlosigkeit kriegerischer Auseinandersetzungen fand, zog plötzlich brennende Aktualität ein und das Publikum bezog mit besonderem Beifall eindeutig Stellung.

Zu Beginn hatte der Sächsische Bergsteigerchor die Gäste musikalisch begrüßt. Die Sänger schufen unter Leitung von Axel Langmann (sehr exakt und bei überzeugender Vermittlung seiner Absichten) mit einem Querschnitt aus ihrem Repertoire einen begeistert aufgenommenen Auftakt. In Wander- und Bergliedern zeigte man legato-Kultur, setzte die vom Dirigenten geforderten dynamischen Möglichkeiten willig um. Gegen die "Heidenröslein"-Bearbeitung (Franz Schubert) für Männerchor muss freilich die Stimme erhoben werden. Von 100 Männern kann die innewohnende Besonderheit (Solostimme und Klavier) einfach nicht vermittelt werden. Nur widerstrebend fand ich mich mit der Melodieänderung am Ende ab. Der Chor hat doch Qualitäten, eine der zahlreichen Originalkompositionen Schuberts für Männerchor darzubieten.

Das beliebteste italienische Berglied ist "La montanara". Beide Chöre vereinigten sich am Ende zu einer beeindruckenden Wiedergabe dieses ursprünglich dem Trientiner Chor gewidmeten Titels.

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Letzte Änderung:
14.09.2006
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