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Sächsische Zeitung, 26.05.2017

Bergsänger in den Wechseljahren

Seit 90 Jahren gibt es den Sächsischen Bergsteigerchor „Kurt Schlosser“. Für eine blühende Zukunft sind Ideen gefragt.

Von Henry Berndt

Er könnte sein Enkel sein. Zwischen Dieter Herber und Steffen Groß liegen 45 Jahre Musikgeschichte. Und doch sind die beiden Sangeskollegen, stehen häufig gemeinsam auf Bühnen und Bergen. Während der 83-jährige Herber zu den dienstältesten Mitgliedern des Sächsischen Bergsteigerchors „Kurt Schlosser“ gehört, ist Groß mit seinen 38 Jahren einer der jungen Wilden. Frisches Blut, das dringend nötig ist bei einem Chor mit einem Altersschnitt von inzwischen weit über 60.

Gegründet wurde der Chor ursprünglich als Gesangsabteilung des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ im Dresdner „Keglerheim“. Nach 1949 wurde er nach dem Widerstandskämpfer Kurt Schlosser benannt und bald zu einer weithin bekannten Marke. Zu DDR-Zeiten waren die Sänger regelmäßig im Fernsehen zu sehen, nahmen zwei Langspielplatten auf und machten Tourneen durch ganz Osteuropa.

Nun feiert der Bergsteigerchor sein 90-jähriges Bestehen – und hat in der Heimat noch immer eine gewaltige Fanbasis. Nach sechs Jahren Pause wegen des Umbaus wird der Chor im November wieder seine traditionellen Jahreskonzerte im Kulturpalast spielen. Die beiden Auftritte sind seit Monaten restlos ausverkauft.

Natürlich wird das auch für Dieter Herber der musikalische Höhepunkt des Jahres werden. Der Sänger aus der Stimmgruppe Erster Bass, der häufig auch als Baritonsolist zu erleben ist, stieß 1954 zum Chor. „Wir hatten damals eine schwärmerische Beziehung zum Bergsteigen und wollten auch singen“, sagt er. Außerdem reizten ihn die „vielen hübschen Mädchen im Jugendchor“, den es damals noch gab. Eines dieser Mädchen wurde später seine Frau. Heute sind sie 56 Jahre verheiratet. Auch seinem Chor blieb er treu, schätzte vor allem die Werte, die hier gelebt wurden, „die Fähigkeit, sich einzuordnen, Toleranz und Kameradschaft“. Über die Jahrzehnte hätten sich viele enge Freundschaften entwickelt – was nicht selbstverständlich sei.

In Seilschaft mit Bergsportlegenden wie Paul Illmer und Hans Arnold wurde Dieter Herber zum aktiven Felskletterer. Vor drei Jahren bestieg er seinen letzten Gipfel in der Sächsischen Schweiz. Inzwischen beschränkt er sich wie viele seine Chorkollegen lieber auf das Wandern. Nur etwa 15 der 100 Sänger im Bergsteigerchor sind heute wirklich noch Bergsteiger.

Zu dieser Gruppe gehört Steffen Groß, ein Mann, der allein schon wegen seiner Frisur und seines Bartes heraussticht. Er kam vor sechs Jahren durch Zufall zum Chor und verstärkt die Stimmgruppe Zweiter Bass. Außerdem ist er Mitglied des Gitarrenensembles, einem vergleichsweise neuen Projekt. Steffen Groß hat sieben Kinder. Seine älteste Tochter ist 19, der jüngste Sohn gerade mal ein Jahr alt. Auch im Chor hat er die Aufgabe übernommen, sich besonders für die Nachwuchsgewinnung einzusetzen. Noch bis 1989 gab es hier einen eigenen Kinderchor. „Nach der Wende war der aber nicht mehr haltbar“, sagt Groß. In einer Arbeitsgruppe ersinnt er momentan Ideen, wie der Chor ein wenig jugendlich aufgefrischt werden könnte, ohne dabei seine Aura zu verlieren.

Um Quereinsteiger unter 50 zu begeistern, stellen sich die Sänger bei öffentlichen Veranstaltungen vor. Gerade läuft ein Experiment mit Flyern, auf denen in großen Buchstaben „proBIERen“ steht. Mit Bier für den Chor werben? „Es ist ein Versuch“, sagt Groß und lacht. Um parallel bei den ganz Jungen anzusetzen, strebt er mittelfristig eine Partnerschaft mit einem Schulchor an. Zukunftsmusik. In der Sächsischen Schweiz besitzt der Chor eine eigene Hütte, vor der regelmäßig abends gemeinsam zur Gitarre gesungen wird. „Die Familien besser mit einzubeziehen, wird ein wichtiger Schritt sein.“

Schon im kommenden Jahreskonzert soll neben den klassischen Stücken wie dem Evergreen „La Montanara“ und russischer Folklore „auch die eine oder andere Überraschung“ einfließen. Genaueres wird nicht verraten. Bereits im Programm vertreten ist eine moderne Version des Radetzky-Marschs, in den auch Udo-Jürgens-Schlager eingeflossen sind.

Witzig oder albern?

„Bislang können wir es durch unsere Masse noch gut auffangen, wenn jemand wegfällt“, sagt Groß. „Aber wie lange noch? Uns ist allen klar, dass wir neue Wege gehen müssen, ohne die traditionellen Pfade aus den Augen zu verlieren.“ Die Fans des Chors seien heute so alt wie die Sänger selbst. Wie also können auch noch Konzerte in zehn Jahren die Massen anlocken?

„Es gibt da einen offenen Disput bei uns im Chor“, gibt Groß zu. Einen Disput der Generationen. Im vergangenen Jahr trat der Bergsteigerchor zum ersten Mal gemeinsam mit dem Komiker Olaf Schubert in der Semperoper auf. Dieter Herber fand das „albern und unpassend“, Steffen Groß dagegen ganz lustig.

Auch Herber sagt inzwischen: „Nur Oper und Romantik wird für die Zukunft nicht reichen.“ Doch er plädiert für einen behutsamen Wandel, auch um die Anhänger des Chores nicht zu verschrecken, die ihn über Jahrzehnte so lieben gelernt haben, wie er heute noch ist.

Die Proben, dienstags ab 19 Uhr in der Aula des Marie-Curie-Gymnasium Dresden, Zirkusstraße 7, sind für für Besucher offen.


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Nicht immer einer Meinung, aber mit derselben Leidenschaft: Steffen Groß (links) und Dieter Herber wünschen ihrem Chor eine goldene Zukunft.
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Letzte Änderung:
24.07.2017
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